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111 Tätigkeiten: Alarmintervention

von Bettina Kretzschmar (Kommentare: 0)

Stefan Rauschen von der Wach- und Schließgesellschaft Mönchengladbach
Stefan Rauschen von der Wach- und Schließgesellschaft Mönchengladbach

In unserer Rubrik „111 Tätigkeiten“ stellen wir unterschiedliche Teilbereiche der Sicherheitswirtschaft vor. In diesem Monat haben wir von SECmarket mit Stefan Rauschen von der Wach- und Schließgesellschaft Mönchengladbach über den Bereich der Alarmintervention gesprochen.

Zum Unternehmen:

Die Wach- und Schließgesellschaft Mönchengladbach besteht seit dem 19. Januar 1909 und wurde ursprünglich in Lüdenscheid gegründet. Seit mehr als 60 Jahren befindet sich der Stammsitz in Mönchengladbach und seit dieser Zeit ist immer ein Familienmitglied in der Geschäftsführung vertreten. Die dritte Generation setzt die Tradition fort und als geschäftsführende Gesellschafter sind die Brüder Stefan und Wolfgang Rauschen tätig.

Neben dem Stammsitz in Mönchengladbach gibt es des Weiteren selbständige Niederlassungen in Düsseldorf, Leverkusen und Erkelenz. In Wuppertal hat das Familienunternehmen, gemeinschaftlich mit der Wach- und Schließgesellschaft Wuppertal und dem WKS Wachschutz Lüdenscheid, die hesta GmbH gegründet. Dort werden die EN 50518-anerkannten Verbund-Alarm-Empfangs-Stellen betrieben und alle gemeinschaftlichen Aufschaltungen realisiert. Seither füllen beide Unternehmen gemeinsam stetig die Auftragsbörse Sicherheitsdienst.

 

Herr Rauschen, erzählen Sie uns zunächst doch etwas zur Entwicklung der Alarmintervention in Bezug  auf Ihr Unternehmen.

In Mönchengladbach wurden bereits in den 1970er Jahren erste Alarmaufschaltungen durchgeführt. Damals noch als reine Textübertragung und für einige handverlesene Kunden und ein eher kleiner Teil der Auftragsbörse Sicherheitsdienst. Die Alarmtechnik steckte noch in den Kinderschuhen und war enorm teuer.

Der Organisationsgrad bei der Schlüsselaufbewahrung, Alarmbereitschaft und -verfolgung war damals auch eher überschaubar, wie auch die Auftragsbörse dieser Sicherheitsdienstleistung. Alarmverfolgungen wurden „nebenher“ durchgeführt – es waren ja Fahrer im Stadtgebiet unterwegs. Von den Alarmobjekten und Anlagen gab es kaum Dokumentationen - unsere Mitarbeiter kannten ja die wenigen Objekte. Die Schlüssel wurden in einfachsten Schlüsselschränken aufbewahrt oder sogar im Fahrzeug mitgeführt.

1986 wurde unsere Notruf- und Service-Leitstelle erstmals VdS-anerkannt.

Heute schützen und sichern wir in Mönchengladbach mehr als 2.500 eigene Alarmkunden und rund 1.000 weitere Kunden als Kooperationspartner für andere Sicherheitsdienstleister.

In unseren selbständigen Interventionsstellen betreuen wir weitere 2.000 Alarmkunden, inzwischen ist die Auftragsbörse für diesen Sicherheitsdienst demnach gut gefüllt.

Wir interessieren uns für das Vorgehen bei einem Alarmfall – wie gelangen die Informationen an den Mitarbeiter und der Mitarbeiter schnell an den Einsatzort?

Zunächst zählen hier die räumlichen Aspekte. Möglichst kurze Wege der Einsatzkräfte zum Alarmobjekt sind wichtig. Die Einsatzdaten finden sich in unserer individuellen Alarmakte für jeden Kunden. In dieser Akte ist alles was für das Objekt wichtig ist integriert. Die Interventionskraft, die als Schlüsselträger eingesetzt wird, erhält die Unterlagen und Schließmittel von unserer Leitstelle. I.d.R. sitzen diese Mitarbeiter in unserem Bereitschaftsraum direkt neben unserer Leitstelle.

Bei der Alarmverfolgung setzen wir unsere Revierfahrer nur noch für Vor- und Außenkontrollen ein, bzw. als letzte Reserven wenn wir eine besonders hohe Auslastung in der Auftragsbörse dieses Sicherheitsdienstes verzeichnen. Diese Einsatzanforderungen werden derzeit noch mündlich an unsere Mitarbeiter übermittelt.

Woher weiß der Mitarbeiter bei so vielen Objekten was er vor Ort tun muss?

Von jedem Kunden wird eine individuelle Alarmakte angelegt. Dort sind alle relevanten Daten für den Einsatz zu finden: von den vereinbarten Alarmmaßnahmen, Notrufpersonen, Anfahrts- und Lagebeschreibung, Gefährdungsbeurteilung, Beschreibung der Alarm- und Sicherheitstechnik und die notwendigen Bedienerschritte. Dieses Handout wird zu jedem Einsatz von unseren Einsatzkräften mitgenommen. Unsere Leitstelle hat diese Daten zusätzlich als Datei zur Verfügung.

Bei jedem Einsatz prüfen unsere Mitarbeiter, ob die Beschreibung richtig ist oder sich Änderungen ergeben haben. Änderungen werden sofort dokumentiert oder eine Information an unsere Alarmsachbearbeitung weitergegeben, dass eine Aktenüberprüfung vor Ort notwendig ist.

Würden Sie für uns zusammenfassend noch einmal aufschlüsseln: wie viele Einsatzbereiche gibt es bei Ihnen in der Alarmintervention?

Wir überwachen und verfolgen alles was ein Alarmsignal absetzen kann. Ob Einbruch, Feuer, Gas, Sabotage, Überfall, medizinische Notrufe, Wassereintritt, Ausfall von Klima- und Kühlgeräten, Aufzugnotrufe, Sicherung von Einzelarbeitsplätzen (Totmannschaltungen), Videoüberwachung, Ortung von GPS-Sendern, technische Störmeldungen, Überwachung von Schaltzuständen – dies und vieles mehr wird von unserer Leitstelle überwacht und die individuell vereinbarten Maßnahmen werden abgearbeitet.

Auch Schlüsselaufbewahrungen und die Organisation von Schlüsselausgaben an berechtigte Personen führen wir durch.

Zusätzlich vermieten wir Funk-Alarmanlagen für die schnelle Not-Absicherung eines Objektes. Demnach ist die Auftragsbörse für diesen Sicherheitsdienst gut gefüllt.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten für Sie bundesweit im Bereich Alarmintervention und an welchem Standort ist der Bereich auf Bewerberseite besonders gefragt?

Wir sind mit rund 150 eigenen Interventionskräften an unseren Standorten in Nordrhein-Westfalen im Einsatz, um der Auftragsbörse dieses Sicherheitsdienstes gerecht zu werden.

Darüber hinaus verfügen wir über ein bundesweites Netzwerk von Wach- und Sicherheitsunternehmen, die für uns die weiter entfernten Objekte betreuen und die Alarmintervention vor Ort durchführen. Wie bereits gesagt: Möglichst kurze Wege zu den Alarmobjekten.

Wie lang ist eine durchschnittliche Schicht und wie viele Alarme werden in solch einer Schicht ausgelöst und durch ein Alarmfahrer angefahren?

Seit vielen Jahren werden bei uns i.d.R. die Dienstzeiten von max. 8 bis 9 Stunden geplant und eingehalten. Nur in Ausnahmefällen und Personalengpässen werden Schichten verlängert und auf max. 12 Stunden ausgedehnt. Vor der Umstellung auf das 8-Stunden-Schichtmodell in unserer Leitstelle, konnten wir einen signifikanten Anstieg von fehlerhaften Alarmbearbeitungen zwischen der 9. und 12. Arbeitsstunde verzeichnen. Wir konnten unsere Qualität erheblich durch die Einführung der 8-Stunden-Schichten erhöhen.

Im Durchschnitt fahren wir derzeit einen Einsatz pro Alarmkunde und pro Jahr, d. h. pro Tag fahren wir rund 15 Einsätze. Darüber hinaus wird natürlich eine Vielzahl von telefonischen Alarmbearbeitungen durchgeführt, die zu keinem personellen Alarmeinsatz bei uns führen. Wir verarbeiten derzeit zwischen 7 und 8 Millionen Meldungen pro Jahr – vieles natürlich automatisiert. Die Auftragsbörse dieses Sicherheitsdienstes ist demnach gut gefüllt.

Wie hoch ist die Fehlalarm-Quote?

Etwa 99,9% aller Einbruchalarme sind Fehlalarme. Echtalarme sind hier im Promillebereich zu verzeichnen.

Die Statistik verbessert sich aber, wenn wir die durch den Bediener verursachten Alarme herausnehmen. Häufig werden Fehler beim Schärfen der Alarmtechnik gemacht und der Alarm lässt sich dann sehr schnell telefonisch klären. Ganz oft finden wir beim Alarmeinsatz Fenster in Kippstellung vor. Wir stellen dann den ordnungsgemäßen Verschluss her, schärfen die Alarmtechnik erneut und die Alarmanlage arbeitet dann einwandfrei.

Wie gewährleisten Sie die eigene Sicherheit der Einsatzkräfte?

Wir versuchen die Einsätze immer mit zwei Einsatzfahrzeugen durchzuführen – ein Mitarbeiter zur Vorkontrolle und der zweite Mitarbeiter kommt von unserer Leitstelle mit den Einsatzunterlagen und Schließmitteln. Die Koordination der Einsätze erfolgt in unserer hauseigenen Leitstelle. Die Mitarbeiter melden das Eintreffen vor Ort, das Ergebnis der Außenkontrolle, die ausgelöste Alarmlinie und das Einsatzende. I.d.R. wird zusätzlich die zuständige Polizei mit angefordert.

Übrigens werden Kontakte mit Tätern immer seltener. Bei Echtalarmen sind diese bei unserem Eintreffen i.d.R. verschwunden. Wir gehen davon aus, dass an den Zufahrten zum Objekt Komplizen Schmiere stehen und bei der Sichtung des Wachdienstes oder der Polizei eine Warnung an den Tatort durchgeben und eine rechtzeitige Flucht ermöglichen.

Welche Hilfsmittel führen die Mitarbeiter bei sich?

Unseren Mitarbeitern stehen Kommunikationsmittel (Funk und Mobiltelefon) und die persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung. Für Aufzugnotrufe wurden schnittfeste Handschuhe angeschafft – die Verletzungsgefahr bei Notöffnungen war hier zu groß.

Die Einführung eines Ticketsystems für den Alarmeinsatz ist für 2018 geplant. Die digitale Übertragung der Einsatzdaten, automatische Navigation zum Alarmobjekt, Dokumentation der Alarmannahme und des Bearbeitungsstatus und die automatisierte Weitergabe an die Faktura, stehen hier bei uns ganz oben im Anforderungsprofil. Das macht die Auftragsbörse dieses Sicherheitsdienstes übersichtlicher.

Welche Ausbildung und Qualifikationen muss ein Mitarbeiter in diesem Bereich mitbringen?

Natürlich freuen wir uns über Bewerber, die bereits in anderen Wach- und Sicherheitsunternehmen gearbeitet haben, die Grundqualifikation besitzen und ggf. Erfahrungen aus Alarmeinsätzen mitbringen. Diese Bewerber sind allerdings die Ausnahme. I.d.R. sorgen wir für die Qualifikation und notwendigen Aus- und Weiterbildungen.

Alle unsere Alarmfahrer durchlaufen die Qualifikation zur Interventionsfachkraft. Zusätzlich werden alle Interventionskräfte zum Aufzugwärter ausgebildet.

Welche Voraussetzungen sollte ein Mitarbeiter außerdem vorweisen?

Die Bereitschaft zu Schicht- und Wechseldiensten, sowie Arbeitsbereitschaft an Wochenenden und Feiertagen sind elementar wichtig für unseren Beruf. Ein 8-16 Uhr Job ist ja eher seltener bei uns zu finden, erst recht bei einer solch gefüllten Auftragsbörse im Sicherheitsdienst.

Technisches Verständnis kann im Interventionsdienst nie schaden. Alle weiteren Fähigkeiten werden durch Training-on-the-Job geschult, z. B. das Auge für die Außenkontrolle, worauf muss ich bereits bei der Anfahrt achten, der sichere Umgang mit der Alarmtechnik u.v.m.

Gibt es einen besonderen Einsatz aus der Vergangenheit, den Sie uns nicht vorenthalten möchten?

Bei einer Bankfiliale in Mönchengladbach konnten wir nur knapp das Sprengen eines Geldautomaten verhindern. Über die Videoüberwachung konnten wir die Tatvorbereitung beobachten und sofort reagieren. Die Polizei und unsere Einsatzkräfte waren gerade noch rechtzeitig vor Ort. Die Täter ergriffen die Flucht und die Sprengung wurde verhindert.

Eine Nacht später waren vermutlich die gleichen Täter in einer anderen Filiale schneller, die Videoüberwachung löste später aus und als wir die Lage erkannten wurde es auch schon dunkel auf dem Videomonitor. Die Sprengung hat das gesamte Foyer zerstört, die darüber liegenden Wohnungen mussten geräumt werden und die Täter konnten mit Ihrer Beute die Flucht ergreifen.

Aktuell ist der vergangene G20-Gipfel in Hamburg stark in den Medien vertreten. Kann man sich als Sicherheitsdienstleister auf solche Ereignisse überhaupt personell einstellen und wie wären Sie der Sache entgegengetreten?

Ich denke, dass wir bei solchen Situationen kaum eine Chance haben. Die Jagdszenen aus Hamburg zeigen ja, dass weder vor fremdem Eigentum, noch vor Privatpersonen und schon gar nicht vor der Polizei, Halt gemacht wurde. Was wollen unsere Einsatzkräfte tun, wenn eine Tankstelle oder ein Supermarkt geplündert, zerlegt und verwüstet wird? Bei einem solchen Mob dienen dann unsere Mitarbeiter nur als „Kanonenfutter“.

Mein Motto: Polizei verständigen, den Tatort beobachten und Daten sammeln, schauen ob wir Erste Hilfe leisten müssen oder zur Schadensminderung beitragen können. Beim Eintreffen der Polizei eine Lagebeschreibung machen und Täterbeschreibungen, Beschreibung der Fluchtfahrzeuge, KFZ-Kennzeichen und alle weiteren Feststellungen weitergeben. Viel mehr können wir nicht tun.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Lesen Sie auch unser Interview vom letzten Monat, in dem die Tätigkeit des Hundeführers in der Sprengstoffsuche vorgestellt wurde.

 

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